Digitale Energielösungen in der Praxis: ZDIN beim Digi-Breakfast
Wie digitale Technologien Unternehmen konkret unterstützen, zeigte das Digi-Breakfast der IHK Hannover: Forschende aus dem ZDIN-Netzwerk erklärten, wie Verwaltungsschalen den Einstieg in die Industrie 4.0 erleichtern und wie ein Konzept Energiekosten in energieintensiven Unternehmen senken soll.
Wie gelangen digitale Energielösungen aus der Forschung in die Praxis? Diese Frage stand am 10. Juli 2026 im Mittelpunkt der Online-Veranstaltung Digi-Breakfast der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover. Forschende des Zentrums für digitale Innovationen Niedersachsen (ZDIN) und des Zukunftslabors Energie stellten konkrete Ansätze für die digitale Transformation und das Energiemanagement in Unternehmen vor.
Zum Auftakt gab der Geschäftsstellenleiter des ZDIN, Dr.-Ing. Patrick Elfert, einen kurzen Überblick über die Forschungsthemen der acht Zukunftslabore und aktuell zehn Transferprojekte.
Verwaltungsschalen erleichtern den Einstieg in die Industrie 4.0
M. Sc. Christian Pieper vom OFFIS – Institut für Informatik zeigte am Beispiel der GRÄPER Ahlhorn GmbH & Co. KG, wie Unternehmen in die Industrie 4.0 einsteigen können. Dabei bezeichnet Industrie 4.0 die intelligente Vernetzung von Maschinen, Produkten und Abläufen mithilfe digitaler Technologien.
Ein wichtiger Baustein dafür ist die Verwaltungsschale. Sie bildet Produkte, Maschinen oder Prozesse als standardisierten digitalen Zwilling ab und bündelt Informationen wie technische Dokumentationen, Produktionsschritte oder Zertifikate. Dadurch lassen sich Produktdaten entlang der gesamten Wertschöpfungskette nutzen und Service- sowie Supportprozesse verbessern.
„Verwaltungsschalen sind der genormte Stecker zwischen analoger und virtueller Welt“, fasste Pieper ihre Funktion zusammen. Sie verbinden unterschiedliche Systeme, sorgen für eine strukturierte Produktdokumentation und schaffen zugleich eine Grundlage für den Digitalen Produktpass (DPP). Dieser bündelt alle relevanten Informationen zu einem Produkt und wird durch die EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) schrittweise für immer mehr Produktgruppen verpflichtend.
Viele der dafür benötigten Daten liegen bereits in den Unternehmen, etwa in ERP-Systemen, Prüfprotokollen oder Exportunterlagen. Entscheidend ist, diese zusammenzuführen, zu vereinheitlichen und die Mitarbeitenden frühzeitig einzubeziehen.
Zum Abschluss betonte Pieper, dass Unternehmen schrittweise in die Industrie 4.0 einsteigen können: mit einem konkreten Anwendungsfall, einer ersten Verwaltungsschale und dem Test von Schnittstellen zu bestehenden IT-Systemen.
Energiekosten und Lastspitzen reduzieren
Wie digitale Technologien zur Senkung von Energiekosten beitragen können, erläuterte Dr.-Ing. Fernando Peñaherrera V. vom OFFIS – Institut für Informatik anhand des ZDIN-Transferprojekts EKoREK. Die Abkürzung steht für „Entwicklung eines Konzeptes zur Reduktion der Energiekosten bei energieintensiven kleinen und mittleren Unternehmen“.
Die Herausforderung verdeutlichte Peñaherrera V. mit der Aussage: „15 Minuten können den Strompreis für ein ganzes Jahr bestimmen.“ Hohe Lastspitzen können den Energietarif eines Unternehmens langfristig beeinflussen. Gleichzeitig fehlen vielen KMU die personellen Ressourcen und technischen Werkzeuge, um vorhandene Einsparpotenziale zu erschließen.
Im Projekt EKoREK entwickeln das OFFIS und die Technische Universität Braunschweig gemeinsam mit dem Praxispartner G.A. Röders GmbH & Co. KG ein übertragbares Konzept für ein intelligenteres Energiemanagement. Dafür werden in der Druckgießerei in Soltau rund 23 Maschinen kontinuierlich überwacht. Pro Maschine werden zehn Messungen pro Sekunde erfasst.
Die Daten sollen dabei helfen, Lastspitzen zu glätten, Produktionsprozesse in Zeiträume mit günstigeren Strompreisen zu verschieben und erneuerbare Energien gezielter zu nutzen. Zudem bewerten die Forschenden, welche Maßnahmen technisch umsetzbar sind und welche Einsparungen bei Kosten, Energieverbrauch und CO₂-Emissionen erreicht werden können.
Das entstehende Konzept orientiert sich an der Energiemanagementnorm ISO 50001 und soll so auch auf andere energieintensive KMU übertragbar sein. Maschinen und Anlagen können so intelligenter betrieben werden, ohne dass die gesamte Produktion neu aufgebaut werden muss.
Weitere Details zum Projekt liefert dieser Artikel.
Das Digi-Breakfast verdeutlichte: Digitale Transformation beginnt nicht zwingend mit einer vollständig vernetzten Fabrik. Entscheidend sind konkrete Anwendungsfälle, nutzbare Daten und die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.
Vielen Dank an Dr.-Ing. Patrick Elfert, M. Sc. Christian Pieper und Dr.-Ing. Fernando Peñaherrera V. für die Einblicke, an Jakob Jagau von der Digital Mindset GmbH für die Moderation sowie an Christian Grascha und Yanic Rahyr von der IHK Hannover für die Organisation.
Die vollständige Aufzeichnung der Veranstaltung finden Sie hier.
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